Ein Mythos Maler - Markus Jabcke

Die Radierung der "Dogon Affenmaske" ist klein im Format. Das Motiv gerade mal so groß wie eine Postkarte. Das ist nicht immer so in der Arbeit von Robert LaVerne Steward. Ganz im Gegenteil: seine Skulpturen können monumentalen Charakter annehmen. Diese Abbildung aber ist ein idealer Einstieg in ein umfangreiches Oeuvre von Robert LaVerne Stewards mythologischer Bilderwelt. 

 

Robert LaVerne Steward (Jahrgang 1944) aus San Francisco, California ist Bildhauer und Maler in der Ateliergemeinschaft in Herdwangen/Schönach im Linzgau. Reisen durch den Pazifischen Ozean und asiatische Gewässer in der US-Navy, Studienjahre in San Francisco unter Hippies in den 68ern und darauf folgende Reisejahre als Musiker und Maler werden LaVerne Stewards Faible zum Mythos beeinflusst haben. 

 

Auch heute und im idylischen Ländle sind seine Arbeiten angehaucht und inspiriert von indianischer bis ägyptischer und oft archaischer Zeichensetzung und Symbolhaftigkeit. 

 

Die dargestellte Maske ist ein Motiv der Dogon aus Ost-Mali, ein Volk das in den Felsen von Bandiagara lebt, eine Stätte die 1989 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Ein Reise-Motiv für LaVerne Steward auf der Suche nach Mythos. Es gibt ca. 100 Typen von Masken in der Kultur der Dogon. 

 

Eine Maske kann bis zu 5 Meter Höhe betragen, wird feierlich getragen und trägt in sich Tradition und Verbindung zu den Urahnen der Menschheit. Robert LaVerne Steward hat sich hier für die Affenmaske entschieden. Mit gedeckten Farben, zart und trotzdem prägnant taucht der Gegenstand Maske aus einer durchflossenen Bildsprache auf, die immanent die Richtung weist. 

 

Die Bilder des Malers sind eher selten wirklich gegenständlich, aber befinden sich immer in einem Gestaltungscodex geprägt durch Symbole und erdige Anmutung. Es ist das Mythos-Konzept in der Darstellung - ohne den inhaltlich, konkret zu verfolgenden Mythos zum Thema zu machen, was sich in LaVerne Stewards skulptureller Arbeit um so direkter wiederspiegelt: Tor und Tür, Gong und Gang, Verehrung und Fetisch, Experiment und Exit. 

 

Der Tenor in seinem Schaffen führt ein innewohnendes Licht nach draußen und mit einem Mal stehen Monumente im Wald ohne sich widersprüchlich aufzudrängen, einfach eingebunden in Natur, Zeit und Erinnerung an verlorengegangene Mythen. 

 

Anekdote: Eines Tages fand der Künstler einen toten Buntspecht vor dem Küchenfenster. Der Vogel wurde vor dem Atelier beigesetzt, um dessen Gebeine im darauf folgendem Jahr ehrenvoll aus der Erde in eine Vitrine zu entnehmen, zu sortieren und zu präsentieren, zu verwalten in einem Schrein, prachtvoll verehrend aufgebahrt. 

 

Gerade fertig. Ein Rabe kam. Dieser Rabe schritt selbstbewußt und zielsicher durch die Hintertür in das geräumige Atelier des ehemaligen Fabrikgebäudes, fand und beanspruchte eben jenen Sarg, in dem die Knochen eines Waldvogels ausgestellt und feil geboten sind, wie die Reliquien der heiligen drei Könige im Kölner Dom. Das Ereignis wurde dokumentiert. Es gibt Fotos davon. Und gleichwohl war der Besuch des Rabens für LaVerne Steward eine Gelegenheit einen weiteren Mythos aufzugreifen, den Raben zu zeichnen und mit dem Symbol unseres labyrintischen Gehirns in Verbindung zu bringen. Sagengleiche Verwirrspiele sind es die wir vorgeführt bekommen. - Wissen wir was? - Was wissen wir? 

 

Wir wissen um Technik. Satellitenbilder aus dem Internet beispielsweise, sind ein gewohnter Blick. Ungewohnt dagegen das selbe Motiv bearbeitet und aufbereitet als Radierung im Modus einer mythologischen Bildsprache. In Zusammenarbeit mit dem Künstler David Shepherd entstand eine Serie mit einem Blick von draußen auf unseren Mythos Welt, eine Bildfolge von Kontinental-Aufnahmen die Legenden erzählen während wir ohne Unterlass selbst Teil der Weltgeschichte sind, und die Story in unserer Innen-, Außen- und Umwelt unser verdammt erhellender Alltagstraum ist. 

 

Robert LaVerne Steward ist ein gedrungener, kräftiger Mann mit immer freundlich und schelmenhaft lächelnden Augen. So sollte man auch seine Arbeit betrachten: mit Witz und Versinnlichung, mit Kraft und Bewußtsein. Sich mit der Arbeit von LaVerne Steward zu beschäftigen heißt, an Reife teilzuhaben und Reife aus Tradition und Mythologie sanft zu verinnerlichen.